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Finanzielle Eigenständigkeit von Frauen – ein deutsch-französicher Blick

  • Autorenbild: ELAGE
    ELAGE
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit


Am 12. März 2026 hat das Cabinet ELAGE angeleitet von Rechrsanwältin Sylvia Cleff Le Divellec mit der Volkshochschule Freiburg einen interaktiven Workshop veranstaltet zur finanziellen Eigenständigkeit von Frauen in Deutschland und Frankreich mit der zentralen Frage: Wie unabhängig sind Frauen finanziell wirklich? Und welche strukturellen Faktoren beeinflussen ihre Lebensentscheidungen?


Finanzielle Eigenständigkeit ist weit mehr als die Frage nach dem eigenen Einkommen. Sie betrifft Selbstbestimmung, soziale Absicherung, Verteilung von Sorgearbeit, Vermögensaufbau und die Möglichkeit, Lebensentscheidungen unabhängig treffen zu können. Mit diesen Zusammenhängen setzte sich der Workshop auseinander, der verschiedene strukturelle, gesellschaftliche und individuelle Perspektiven auf das Thema zusammenführte. Insbesondere ging es um die Frage, wie Frauen ein Leben führen, das nicht von finanzieller Abhängigkeit geprägt ist.

 

Bereits der Einstieg machte deutlich, wie präsent das Thema im Alltag vieler Menschen ist. Interaktive Fragen zur Bedeutung finanzieller Unabhängigkeit und zur eigenen Wahrnehmung von finanzieller Selbstständigkeit eröffneten einen unmittelbaren Zugang und sorgten von Beginn an für einen intensiven Austausch. Gerade dieser direkte Austausch hat den Workshop besonders gemacht: Es ging nicht nur um Zahlen und Fakten, sondern auch um Wahrnehmungen, Unsicherheiten, Erwartungen und eigene Lebensmodelle der anwesenden Frauen.

 

Ein zentraler Teil des Workshops an dem deutsche und französische Frauen verschiedenen Alters teilnahmen war der deutsch-französische Vergleich und die bestehenden rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Anhand des Gender Equality Index 2025 wird deutlich, dass Frankreich im Bereich Gleichstellung deutlich besser abschneidet als Deutschland: Frankreich erreicht 73,4 Punkte und liegt damit auf Platz 2 in Europa, Deutschland kommt auf 63,2 Punkte und liegt nur auf Platz 11, was unter dem EU-Durchschnitt liegt. Besonders relevant für das Thema finanzielle Eigenständigkeit waren dabei die Bereiche Geld, Arbeit und Zeit. Der Vergleich hat gezeigt, dass finanzielle Abhängigkeit nicht erst beim Gehalt beginnt, sondern schon viel früher in der Verteilung von Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und gesellschaftlichen Erwartungen entsteht.

 

Sehr anschaulich wurde das auch durch zwei beispielhafte Lebensverläufe, mit denen im Workshop gearbeitet wurde: Anna in Deutschland und Claire in Frankreich. Beide sind jung, gut ausgebildet und berufstätig – und doch entwickeln sich ihre Lebensrealitäten und damit verbundenen finanziellen Profile nach der Geburt eines Kindes ganz unterschiedlich. Während in Frankreich das Zwei-Verdiener-Modell strukturell stärker unterstützt wird, geraten Frauen in Deutschland deutlich häufiger in Teilzeit in das Zuverdiener Modell, übernehmen mehr unbezahlte Care-Arbeit und tragen dadurch ein höheres Risiko langfristiger finanzieller Nachteile. Genau diese Gegenüberstellung hat eindrücklich gezeigt, wie stark politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie ausgebaute und akzeptierte Kinderbetreuung und Steuerbegünstigungen individuelle Lebenswege und finanzielle Selbständigkeit prägen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, warum Frauen seltener investieren und seltener Aktien kaufen als Männer (Gender Investment Gap). Dabei wurde herausgearbeitet, dass dieses Thema nicht mit einem simplen „Frauen interessieren sich weniger für Finanzen“ erklärt werden kann. Vielmehr spielen geringeres Einkommen, häufigere Erwerbsunterbrechungen, fehlende finanzielle Bildung von klein auf und hartnäckige Rollenstereotype eine große Rolle. Wenn Frauen seltener investieren, ist das also nicht nur eine individuelle Entscheidung, sondern auch Ausdruck struktureller Ungleichheit. Umso wichtiger war es, im Workshop nicht nur Probleme zu benennen, sondern auch Wege aufzuzeigen, wie Frauen ihre Finanzen selbstbewusster und informierter in die Hand nehmen können.

 

Besonders diskussionsintensiv war auch der Exkurs zur Tradwife-Bewegung. Auf den ersten Blick wirken diese Inhalte auf Social Media oft harmlos, nostalgisch oder einfach nur ästhetisch. Im Workshop wurde jedoch herausgearbeitet, dass hinter der Romantisierung traditioneller Rollenbilder erhebliche Risiken stehen können – vor allem dann, wenn wirtschaftliche und emotionale Abhängigkeit als erstrebenswertes Ideal dargestellt werden. Die Diskussion darüber war deshalb so spannend, weil sie deutlich gemacht hat, wie eng Fragen finanzieller Eigenständigkeit mit gesellschaftlichen Leitbildern, politischer Anschlussfähigkeit und antifeministischen Narrativen verknüpft sein können.​

 

Neben den Herausforderungen standen aber auch ganz konkrete Lösungsansätze im Mittelpunkt. Es ging darum, Wissen aufzubauen, die eigenen Finanzen besser zu verstehen, frühzeitig vorzusorgen, Rücklagen zu bilden, über Altersvorsorge nachzudenken und auch in Partnerschaften offen über Geld zu sprechen. Besonders wichtig war dabei die Botschaft, dass finanzielle Unabhängigkeit nicht erst mit dem perfekten Einkommen beginnt. Im Gegenteil: Der erste Schritt kann klein sein, aber er ist entscheidend.​

 

Genau darin lag am Ende auch die Quintessenz des Workshops: Irgendwo anfangen. Miteinander reden. Sich austauschen. Das Thema so früh wie möglich ernst nehmen. Rollenbilder hinterfragen und überwinden.​ Diese Schlussfolgerung war nicht nur inhaltlich überzeugend, sondern auch das Ergebnis eines wirklich intensiven und bereichernden Austauschs. Der Workshop hat gezeigt, dass finanzielle Eigenständigkeit kein Nischenthema ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für Freiheit, Sicherheit und Selbstbestimmung. Und er hat vor allem eines deutlich gemacht: Wenn wir offen darüber sprechen, voneinander lernen und bestehende Muster und Hindernisse kritisch hinterfragen, kann aus einem schwierigen Thema ein empowernder gemeinsamer Prozess werden.

 

Deshalb nochmal ein großes Dankeschön an alle Beteiligten und besonders die Organisatorinnen der Volkshochschule Freiburg, die mitgemacht oder geholfen haben, etwas so Aufschlussreiches und Wichtiges zu organisieren!

 


 
 
 

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